Tieferlegen – Autotuning geht nicht ohne

Das kleine 1×1 des Tunings geht wie folgt: Breite Reifen, große Felgen, Tieferlegung und auffallende Lackierung. Je nach Epoche wechseln sich die Stile und Spielarten ab, so wie die derzeitigen Trends Breitbau, Sticker Bombing, Rats, Drifting oder JDM. Aber die Grundsätze des Autotunings bleiben eigentlich immer aktuell. Insbesondere Tieferlegungen gehören unbedingt dazu.

Warum eigentlich? Zum einen spielen hier optische Vorlieben eine Rolle: ein flaches Auto sieht einfach sportlicher aus. Alle legendären Sportwagen waren flach wie ein Crêpe. Man erinnere sich nur an den Lamborghini Countach, der mit gerade einmal 1,07 m Höhe das Einsteigen zur Qual machte. Ein Porsche 911 Carrera (997) erscheint mit 1,31 m Höhe schon fast zu hoch.

Je tiefer der Wagen dasteht, umso mehr Anerkennung gibt es aus der Szene. Auch beliebt ist eine Keilform, bei der das Fahrwerk vorne stärker abgesenkt wird als hinten. Die Kennzeichnung 60/40 steht so zum Beispiel für eine Tieferlegung an der Vorderachse um 6 cm, hinten lediglich um 4 cm. So erscheint das Auto dynamischer und erhält den beliebten, vorwärtsgewandten Look.

Aber auch das Handling spielt bei der Tieferlegung eine große Rolle, denn die Federung von Serienfahrzeugen wird für vielfältige Bedürfnisse ausgelegt. So muss der Wagen bei Autobahnfahrten und in schnellen Kurven auf der Landstraße genauso gut beherrschbar sein, wie bei der Fahrt auf einem Feldweg oder der Einfahrt in die Tiefgarage. Daher kann die Serienabstimmung immer nur ein Kompromiss sein.

Wenn ein Fahrzeug aber durch Sportfedern, ein Gewindefahrwerk oder Luftfederung tiefergelegt wird, ergibt sich eine ganz andere Performance. Durch den tieferen Schwerpunkt lassen sich die Wankbewegungen der Karosserie verringern, was insbesondere beim Beschleunigen, bei schnellen Kurvenfahrten und bei Bremsmanövern für bessere Reserven sorgt. Das Handling wird optimiert, was den Fahrspaß in jedem tiefergelegten Wagen enorm erhöht. Dass das Abbiegen in eine Einfahrt durch die niedrige Bodenfreiheit damit zur Geduldsprobe werden kann, tut der Freude am Tieferlegen keinen Abbruch. Im Gegenteil, in der Tuningszene gilt eine solche „Einschränkung“ als Auszeichnung.

Tuner sind daher sehr erfindungsreich, wenn es darum geht, den Wagen so tief wie möglich abzusenken. Dafür gibt es verschiedene technische Möglichkeiten. Eine der kostengünstigsten möchten wir heute vorstellen: Tieferlegungsfedern. Auch Sportfedern oder kurze Federn genannt, bringen Tieferlegungsfedern eine schnelle und preiswerte Absenkung. Die Serienfedern werden dabei einfach gegen die gekürzten Sportfedern getauscht. Dabei lassen sich Tieferlegungen von 10 bis 70 mm erzielen, je nach Modell und Motorisierung.

Bis 40 mm lassen sich sogar die serienmäßigen Stoßdämpfer verwenden, sofern sich diese noch im guten Zustand befinden. Im Idealfall werden Federn und Stoßdämpfer zeitgleich gewechselt, um spätere Montagekosten zu vermeiden. Ab 40 mm kommen gekürzte Stoßdämpfer zum Einsatz, die für genügend Vorspannung sorgen und somit gut mit den Federn harmonieren.

Beim Einbau der Tieferlegungsfedern sollte man allerdings einige Dinge beachten. Zum einen müssen natürlich die Federn zum Fahrzeugtyp passen. Kurze Federn für den VW Golf V passen eben nicht an jeden Golf V. Denn auch die Achslasten müssen in die Planung miteinbezogen werden sollten. Je nach Motorisierung können hierbei große Unterschiede auftreten.

Nicht nur in Bezug auf die Größe des Motorblocks, auch der Unterschied zwischen Benzinern und Dieselmotoren ist enorm. Die schwereren Diesel benötigen bei den Sportfedern eine härtere Kennlinie, um das Handling am Ende auch wirklich zu verbessern. Tuningshops wie www.supersport.de achten bei der Entwicklung auf die Achslasten und ermöglichen somit eine optimal abgestimmte Tieferlegung.

Außerdem sollten die Tieferlegungsfedern eine TÜV-Freigabe nach § 19.3 StVZO haben. Nur dann kann die Eintragung problemlos erfolgen. Zuvor sollte natürlich ein fachgerechter Einbau stattfinden, der mit Spezialwerkzeug und entsprechender Fachkenntnis ein Leichtes ist.

Nach der Tieferlegung mit Sportfedern kann eine Spurverbreiterung notwendig werden, um die Freiläufigkeit des Rades zu garantieren. Distanzscheiben aus Aluminium verringern die bewegte Masse und erlauben zudem eine weitere Verbesserung beim Aussehen und Handling des Tuningautomobils. Eine verbreiterte Spur bringt neben optischer Breite Sicherheit und Spurstabilität.

Komplette Federnsets für beliebte Fahrzeuge wie VW Polo 6R, BMW 1er (E87) oder Opel Corsa D habe ich beim Tuninganbieter Supersport für 110 Euro gefunden. Die Tieferlegungsfedern werden dann mit TÜV-Gutachten und detaillierter Einbauanleitung an den Kunden verschickt. Wenn der Wagen der Straße letztendlich näher gebracht wurde, fehlen eigentlich nur noch die anderen drei Komponenten des Tunings – Reifen, Räder, Lack.

Wie man heutzutage Autos via Chiptuning frisiert, habe ich hier beschrieben und wie so ein ab Werk getuntes Fahrzeug aussieht, kann man hier nachlesen.

 

Titelfoto: Wilhelmine Wulff / pixelio

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