So frisiert man Autos heute

Mein Kumpel Jens frisiert Autos und das schon seit 1992. Was er dazu nicht macht, sind Spoiler anbauen oder die Autos dafür tieferlegen. Nein, das Tuning wird heutzutage per Computer realisiert.

Bei den neueren Fahrzeugen werden die Motoren nämlich durchweg elektronisch gesteuert. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, werden Motor und Steuerung ab Werk überdimensioniert. So hat jeder Hersteller später die Möglichkeit, ohne weiteren Entwicklungsaufwand weitere Fahrzeuge mit verschiedenen Motorvarianten auf den Markt zu bringen. Da liegen also in jedem neuen Motor ein paar Pferdestärken versteckt herum, die – sofern man sie aktiviert – dem Wagen zu neuem Elan verhelfen können.

Die heutigen Tuner nutzen also jene brachliegenden Leistungsreserven geschickt aus, indem sie mit der sogenannten Kennfeldoptimierung verschiedene Parameter verändern, wie etwa die Spritmenge, den Ladedruck oder die Drehzahl. Ausserdem können sie gleichzeitig noch die Höchstgeschwindigkeits-Begrenzung aufheben, beziehungsweise nach oben verschieben.

Wer also, wie ich demnächst, einen T5 zu mehr Schub verhelfen möchte, der macht sich auf die Suche nach dem Händler seines Vertrauens und besucht dessen Online-Angebot, wie beispielsweise dieses hier für Volkswagen. Ein Klick auf „Bus“ führt mich dann zu einer Übersichtsseite auf der ich – Bingo! – mein Modell, einen 2.0 BiTDI entdecke. Okay, ich kann hier also je nach Geldbeutel und Lust zwischen 129 und 479 lassen und erhalte dafür im Gegenzug einen Motor, der nun zwischen 26 und 31 Prozent mehr Leistung abgibt als zuvor und der dabei nun rund einen Liter weniger Sprit dafür benötigt, als vorher für weniger Leistung. Respekt!

Es gibt übrigens zwei verschiedene Herangehensweisen für das Tuning:  bei der klassischen Variante liest man die Originalsoftware-Daten aus, verändert diese und spielt sie wieder ein. Dies geschieht entweder über den OBD-Zugriff auf das Steuergerät oder aber durch Aus- und Einlöten des Chips, auf dem sich die Daten befinden. Alternativ nutzt man ein zusätzliches Steuergerät, welches dem Original-Steuergerät die „neuen“ Daten vorgibt, ohne dass man physisch auf das Original-Steuergerät zugreift.

Egal, welche Version sie später nutzen werden, der Motor erhält hinterher eine neue Leistungscharakteristik, in der Regel haben sich die Drehmomentwerte und die PS-Zahl positiv entwickelt und mitunter geht dies mit einer Einsparung im Verbrauch einher. Und sofern man sich für eine Zusatzgeräte-Lösung entscheidet, kann man sich den Weg zur Werkstatt sparen, da man diese Geräte meist selber einbauen kann. Viel Erfolg!

Titelfoto  Copyright Jon Sullivan

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