Dunlop – eine Idee erobert die Welt

Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, John Boyd Dunlop war nicht der erste Mensch, der im Jahr 1888 ein Patent für einen lufgefüllten Reifen erhielt. Schon 40 Jahre zuvor hielt nämlich sein Landsmann – Robert William Thomson – am 10. Dezember 1845 ein Patent für einen vulkanisierten Gummireifen in seinen Händen. Thomson war seiner Zeit allerdings weit voraus, denn das Fahrrad war noch nicht so richtig entdeckt worden von der Menschheit, geschweige denn das Automobil.

John Dunlop – eigentlich Tierarzt von Beruf – gründete bereits ein Jahr nach Erhalt des Patentes sein erstes Reifenwerk. Allerdings verkaufte er sein Patent kurz darauf an William Harvey Du Cros, einem irischen Politiker und Importeur französischer Fahrzeuge der Marke Clément-Bayard.

Übrigens hatte ein Jahr nach Dunlop der Franzose Édouard Michelin ebenfalls einen Luftreifen erfunden und das vermutlich auch nur, weil er ein Jahr zuvor zufällig eine Gummi-Fabrik geerbet hatte.

Die Firma Dunlop expandierte in der Anfangszeit ziemlich rasch. 1890 gab es dann die erste Reifenfabrik in Dublin, 1893 folgte die erste Niederlassung in Hanau bei Frankfurt. Baute man zu Beginn ausschließlich Reifen für Fahrräder, nahm Dunlop 1895 die Produktion für Automobil-Reifen auf. Um von Gummi-Lieferanten unabhängig zu werden, gründete Dunlop 1910 in Malaysia eine eigene Gummiplantage, ähnlich wie es Henry Ford in Südamerika gemacht hatte. Und schon 1913 wurde im japanischen Kobe die erste Reifenfabrik eröffnet. Für die damaligen Verhältnisse schaffte Dunlop das schier Unmögliche: innerhalb von zwanzig Jahren war der Vollreifen an Fahrzeugen Geschichte und gleichzeitig stieg Dunlop zum ersten multinationalen Unternehmen auf, welches weltweit produzierte und verkaufte.

Die Geschichte ging danach unaufhaltsam weiter: 1908 wurden die ersten Spikes entwickelt, damals waren es allerdings noch Metallnieten, die ihren Zweck erfüllten. Dank der marktreifen Entwicklung einer Reifendecke mit integriertem Cordgewebe im Jahr 1922 konnte die Lebensdauer der Reifen mit einem Schlag verdreifacht werden. Der erste Grand Prix Sieg auf Dunlop-Reifen folgte im Jahr 1923 und ein Jahr später kam der erste Sieg im 24-Stunden-Rennen von Le Mans hinzu. 1959 wurde das noch heute allseits bekannte Lamellenprofil eingeführt. Anfang der sechziger Jahre kam man dem Aquaplaning auf die Spur und 1972 nahm die Entwicklung des Stahlgürtelreifens seinen Lauf. Zu den Entwicklungen der Neuzeit gehört unter anderem der Gürtelreifen in Ultra-Leichtbauweise im Jahr 1994, sowie 1998 die Entwicklung des ersten DSST-Reifens, eines selbsttragenden Reifens mit Notlaufeigenschaften.

Seit Mitte der achtziger Jahre gehört Dunlop mit all seinen Werken zur japanischen Sumitomo Rubber Industries, die wiederum 1999 zusammen mit der Goodyear Tire & Rubber Company eine Kooperation gründete und dadurch zum weltweit größten Reifenproduzenten aufstieg.

Wer jetzt noch mehr darüber wissen möchte, wird hier gewiss fündig.

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